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Konrad Witz - Ein Pionier der Malerei im 15. Jahrhundert

Anl├Ąsslich einer Ausstellung zum Gesamtwerk von Konrad Witz (ca. 1400 bis ca. 1446), die noch bis zum 3. Juli im Basler Kunstmuseum zu sehen ist, sind zwei sehr unterschiedlich umfangreiche Publikationen erschienen.
W├Ąhrend das ÔÇ×nurÔÇť 65 Seiten umfassende Buch aus dem Langewiesche Verlag einen raschen ├ťberblick ├╝ber das Gesamtwerk des Malers erlaubt, gibt der 391 Seiten starke Katalog, erschienen bei Hatje Cantz, einen ausf├╝hrlichen ├ťberblick ├╝ber die Werke des Meisters sowie die Einfl├╝sse und Stilverwandtschaften seiner Malerei im Sp├Ątmittelalter. Dar├╝ber hinaus werden neue Thesen zur k├╝nstlerischen Herkunft von Konrad Witz und Ergebnisse maltechnischer Untersuchungen vorgestellt, die im Zuge j├╝ngster Restaurierungen des Baseler Bestandes gewonnen werden konnten.

Konrad Witz z├Ąhlt zu den radikalsten Erneuerern der Malerei in der ersten H├Ąlfte des 15. Jahrhunderts. Seine Gem├Ąlde zeugen einerseits von seiner Kenntnis der zeitgen├Âssischen altniederl├Ąndischen Malerei und andererseits von der ├Ąu├čerst originellen pers├Ânlichen Handschrift des K├╝nstlers. Zwar hat Konrad Witz die im 15. Jahrhundert in Italien entwickelte Perspektive noch nicht gekannt, und doch erstrecken sich dank seiner rein empirisch erfassen Perspektive (Karin Althaus) seine Innenr├Ąume weit in die Tiefe. Balken und N├Ągel, der br├Âckelnde Putz am Stall, ein eiserner T├╝rgriff erscheinen zum Anfassen nah und auf einem Marktplatz, im Hintergrund einer Innenraumszene, spiegelt sich in einer Pf├╝tze der rote Rock eines B├╝rgers.

Die Eigenst├Ąndigkeit des K├╝nstlers und seiner gerade einmal 20 erhaltenen Tafeln, die aus vier gro├čen Altarauftr├Ągen stammen, von denen einige in den vergangenen Jahren gr├╝ndlich untersucht und restauriert wurden, wird von der Forschung nicht bezweifelt. Umso mehr gehen die Meinungen dar├╝ber auseinander, was Ausbildung und Werdegang, Wirkungskreis und Nachfolge des K├╝nstlers anbelangt.

H├Âhepunkt seines Schaffens ist der Genfer Altar von 1444, auf dessen Altarfl├╝gel er den biblischen Fischzug Petri in eine vedutenhaft getreue Ansicht des Genfer Sees einbettet und damit die erste topografisch genau zuweisbare Landschaftsdarstellung in der deutschen Malerei schuf. Auch hier ist das Wasser des Sees so plastisch dargestellt, dass man bis auf den Grund sehen kann.
W├Ąhrend Metalle, Edelsteine, Stoffe und Zierb├Ąnder in pr├Ąchtigen und nicht zuletzt in f├╝r das Mittelalter gewagten Farben erscheinen und durch Licht und Schatten ein mystisch gl├Ąnzendes und dennoch bewegtes und bewegendes Geschehen zeigen, wirken die dargestellten Heiligen in ihrer Gestik und Mimik fast h├Âlzern und darum so ungeheuer nah. Wie der Kunsthistoriker und Direktor des Kunstmuseum Basel, Georg Schmidt(-Basel), es 1962 formulierte, sei Konrad Witz erst mit der Erfindung des Kubismus entdeckt worden. Danach geriet der Maler wieder in Vergessenheit. Konrad Witz zu untersch├Ątzen d├╝rfte nun Dank der Ausstellung und der vorliegenden Publikationen ein f├╝r alle Mal nicht mehr m├Âglich sein. Konrad Witz ist als ein Pionier seiner Zeit in der Kunstgeschichte endlich wieder angekommen.

Sowohl der Ausstellungskatalog von Hatje Cantz als auch das Buch aus der Reihe ÔÇ×Die Blauen B├╝cherÔÇť (Langewiesche Verlag) sind bestens geeignet, der Bedeutung dieses K├╝nstlers und seiner wenigen Werke nachhaltige Beachtung zu verleihen.

Althaus, Karin. Konrad Witz. Ein Pionier der Malerei im 15. Jahrhundert. 64 S. 54 meist fb. Abb. 24 x 17 cm, Pb. Langewiesche, K├Ânigstein 2011. EUR 12,80 ISBN 978-3-7845-1901-2

27.06.2011
Gabriele Klempert
Konrad Witz. Hrsg. Kunstmuseum Basel, Hrsg. Bodo Brinkmann. Text: Bodo Brinkmann u.a., 370 S., 280 fb. Abb. 25 x 30 cm, Gb. Hatje Cantz, Ostfildern 2011. EUR 58,00 CHF 82,90
ISBN 978-3-7757-2760-0
 
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