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Die Römer im Neckar-Odenwald-Kreis. Grenzzone des Imperium Romanum

In diesem kleinen, aber gewichtigen Buch entfaltet J√∂rg Scheuerbrandt, Leiter des R√∂mermuseums in Osterburken, Geschichte und Forschungsergebnisse der r√∂mischen Epoche in Baden-W√ľrttemberg vom Neckar bis in das Bauland. In sechs Kapiteln erf√§hrt der Leser in gut verst√§ndlicher Sprache, erg√§nzt mit zahlreichen Abbildungen alles Wesentliche √ľber die Forschungsgeschichte, die historische Entwicklung, den Grenzverlauf des Limes, die Villae rusticae sowie herausragende Funde der r√∂mischen Epoche im Landkreis Neckar-Odenwald.
Das Gebiet des Neckar-Odenwald-Kreises eignet sich wie kaum ein anderer Raum f√ľr diese exemplarische Beschreibung r√∂mischer Kultur im Grenzgebiet des Imperium Romanum.
Dank der abgeschiedenen Lage des √§lteren Limes auf den H√∂hen des Odenwaldes, zwischen Neckarburken und Schlossau, blieben diese zusammengefallenen r√∂mischen Relikte bis in das 19. Jahrhundert weitgehend unber√ľhrt, ebenso in Osterburken, wo sie konserviert unter vier Meter starken Schwemm- und Erosionsschichten √ľber Jahrhunderte gesch√ľtzt blieben. Fern von umw√§lzenden Stadtentwicklungsma√ünahmen in dieser abseits von gro√üen St√§dten gelegenen Region, gelang im Laufe der Jahre die Bergung zahlreicher und eindrucksvoller Funde.

Die Forschungsgeschichte √ľber die r√∂mische Epoche im badischen Neckar-Odenwald-Kreis beginnt bereits im Jahr 1766, als der Walld√ľrner Andreas Lamey, Sekret√§r der kurpf√§lzischen Akademie der Wissenschaften, erste Texte ver√∂ffentlichte.
Auch im tief eingeschnittenen Kirnautal, zwischen Osterburken und Walld√ľrn, fanden schon fr√ľh kontinuierliche Forschungen statt.
1863 gr√ľndete sich in Buchen der ‚ÄěAlterthums Verein zu Buchen‚Äú, der sich ebenfalls den r√∂mischen Relikten zuwandte, bis 1923 der Kreispfleger Wolfgang Palm sich in besonderem Ma√üe f√ľr die Pflege und den Erhalt der Kunst- und Altertumsdenkm√§ler sowie f√ľr den Schutz der Natur in der Region einsetzte.

Im Kapitel ‚ÄěHistorische Entwicklung‚Äú wird dem Leser die Zeit seit dem 1. Jahrhundert vor Christus nachgezeichnet, als im Neckar-Odenwald-Kreis zwei Welten aufeinander trafen. Am Rande des r√∂mischen Herrschaftsbereichs hinterlie√üen die R√∂mer in den dann folgenden Jahrhunderten mit dem Bau gleich zweier, nur wenige Kilometer auseinander liegender Limesanlagen, weithin sichtbare Spuren im Land, um den r√∂mischen Erdkreis vom Einfluss der ‚Äěbarbarischen‚Äú Welt der Germanen, im vermeintlich unzivilisierten Teil der Welt, frei zu halten.
Akribisch und doch f√ľr jeden Laien gut verst√§ndlich zeichnet Scheuerbrandt die Grenzsperren der r√∂mischen Armee nach, beschreibt Wachtt√ľrme, Kastelle und die sich daraus entwickelnden Strukturen zivilen Lebens. Diese ganz eigene, milit√§risch gepr√§gte Welt von Soldaten, ihren Angeh√∂rigen, Dienstleistern, Handwerkern und H√§ndlern hatte zwar wenig mit dem Leben im Inneren der Provinzen zu tun, und doch partizipieren wir noch heute von der Epoche dieser einflussreichen Parallelgesellschaft.
Eindrucksvoll beschreibt Scheuerbrandt die Befunde r√∂mischer Siedlungen und Gutsh√∂fe, ebenso wie zahlreiche Funde des religi√∂sen und allt√§glichen Lebens. Von besonderer Bedeutung sind u.a. ein Milit√§rdiplom aus dem Jahr 134 n. Chr., Reste von Heiligt√ľmern, Alt√§re und Badeanlagen sowie Teile einer Gott Jupiter geweihten Gigantens√§ule.

Ein Buch zur r√∂mischen Regionalgeschichte, das auch √ľber die Grenzen des Neckar-Odenwald-Kreises hinaus seine Leserschaft finden d√ľrfte.

17.02.2011

Gabriele Klempert
Scheuerbrandt, Jörg . Die Römer auf dem Gebiet des Neckar-Odenwald-Kreises. Grenzzone des Imperium Romanum. Beiträge zur Geschichte des Neckar-Odenwald-Kreises 3. 2. Auflage 2009. 96 S. 75 meist fb. Abb.24 x 17 cm Gb.. Verlag Regionalkultur, Upstadt-Weier 2008. EUR 10,90
ISBN 978-3-89735-524-8
 
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