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Walter Gropius ‚Äď Architekt der Moderne 1883 ‚Äď 1968

Walter Gropius ‚Äď eine kritische Biographie

Diese Gropius-Biographie des M√ľnchner Architekturhistorikers Nerdinger (Verfasser des ersten umfassenden Werkkatalogs von Walter Gropius) ist im Gegensatz zu den bisherigen Ver√∂ffentlichungen (Isaac: distanzlos verkl√§rend, Polster: negativ √ľberzeichnend) aufgrund intensiver Dokumenten-Studien sehr sachkundig und dabei fundiert kritisch. Gropius` Selbststilisierungen und -√ľberh√∂hungen, seine Arbeitsweise und Widerspr√ľchlichkeit und menschlichen Schw√§chen, selbst seine antisemitischen √Ąu√üerungen (S. 98/99) werden dargestellt und in den architekturgeschichtlichen Zusammenhang gebracht. So werden die Hauptwerke Gropius` (Fagus-Werk, Bauhaus-Geb√§ude, Meisterh√§user und das Arbeitsamt in Dessau) in ihrer Bedeutung gew√ľrdigt und im Gegensatz dargestellt zu den keineswegs herausragenden sp√§teren Bauten, die Gropius in Zusammenarbeit mit anderen Architekten weltweit entwarf und realisierte. Insbesondere Gropius` Gro√üsiedlungen (Dessau-T√∂rten und Dammerstock bei Karlsruhe): ‚ÄěMit der Siedlung T√∂rten beschritt Gropius einen f√ľr die Architektur verh√§ngnisvollen Weg: Ma√ügabe f√ľr die Gestaltung der Behausung des Menschen wurden das Flie√üband und der Takt maschineller Produktion. In T√∂rten wurde die Unterordnung des Menschen unter die Vorgaben von √Ėkonomie und Industrialisierung manifest und Gropius lieferte dazu die ideologische Verbr√§mung, indem er den Mangel √§sthetisierte und die Minimierung als Ausdruck der Moderne rechtfertigte. Bei den folgenden Bauabschnitten behob Gropius zwar einige Planungsfehler, aber er verfolgte sein Ideal einheitlicher Gestaltung nicht nur weiter, sondern verst√§rkte es durch einen Zeilenbau, der dann 1929 bei der Siedlung Dammerstock auch noch v√∂llig gleich orientiert wurde.‚Äú (S. 196/97). Auch Gropius Lehrt√§tigkeit in Harvard w√ľrdigt der Autor umfassend kritisch: in der dort vermittelten Architekturgeschichte wurde die englische Arts and Crafts-Bewegung und der Deutsche Werkbund marginalisiert, die expressive Architektur von Hugo H√§ring, Erich Mendelsohn und Hans Poelzig kam ebenso wenig vor wie das soziale Bauen von Bruno Taut und Hannes Meyer, dem zweiten Bauhaus-Direktor. (S. 291)

04.11.2019
Jörg Raach
Walter Gropius. Architekt der Moderne. Nerdinger, Winfried. 423 S. 58 Abb. 22 x 14 cm. Gb. C.H. Beck Verlag, M√ľnschen 2019. EUR 28,00.
ISBN 978-3-406-74132-6   [C. H. Beck]
 
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