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Teatro

"Teatro" hei├čt die erneuerte Ausgabe einer "Reise zu den oberitalienischen Theatern des 16.-19. Jahrhunderts", herausgegeben vom ├ľsterreichischen Theatermuseums Wien. Im handlichen Format sind 36 Spielst├Ątten in der Lombardei, der Emilia Romagna und dem Veneto - samt Besichtigungsm├Âglichkeiten au├čerhalb der Spielzeiten - ├╝bersichtlich zusammengefasst. So eignet sich das Buch zum anregenden Reisebegleiter f├╝r theaterinteressierte Kulturreisende oder solche, die es nach der Lekt├╝re des Buches geworden sind. Die erhaltenen oberitalienischen Theater und Opernh├Ąuser stehen beispielhaft f├╝r die Entstehungsgeschichte der europ├Ąischen Theaterarchitektur und deren nutzungsorientierte Struktur und B├╝hnenraumgestaltung. Eingangs werden daher sechs Theater aus vier Jahrhunderten in ihrem historischen Umfeld dargestellt. Diese wirkten "vorbildhaft und typenbildend" und verdeutlichen so in einem typologischen Vergleich die Entwicklung einzelner Bauk├Ârper, wie die des Foyers oder der B├╝hnenform. Im zweiten Teil werden aufbauend auf diese Erkenntnisse dreissig weitere H├Ąuser vorgestellt. Hier erf├Ąhrt der Leser die vielgestaltige Sch├Ânheit und die eigent├╝mlichen Qualit├Ąten der einzelnen Architekturen.
Erg├Ąnzend tragen eingestreute Essays zur Vertiefung des Themas bei. So werden die gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungsgr├╝nde einzelner Raumteile, wie etwa der Logen, erkl├Ąrt. Man erf├Ąhrt, dass gerade fr├╝he Theaterbauten manche M├Âglichkeit r├Ąumlicher Organisation hatten, die wir heute nicht mehr kennen. Spiegelten Ausstattung und Raumprogramm den Machtwillen ihres Auftraggebers und dessen Formen der f├╝rstlichen Repr├Ąsentation, so entstanden schon um 1550 permanente und ├Âffentliche Theaterbauten, die die aristokratische Formensprache allerdings weitertrugen.
Auch auf die Herkunft des mittelalterlichen Theaters aus der Liturgie, auf B├╝hnenbild und -Technik der Fr├╝hrenaissance sowie die Entwicklung des perspektivischen Bildraumes erst in der Malerei, dann im B├╝hnenraum, wird hingewiesen. Besonders der antike Theaterbau wirkte vorbildlich auf die Theaterarchitektur des sp├Ąten 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts. Leider sind von den fr├╝hen festen Theaterbauten nur jene in Vicenza und Sabbionetta erhalten. Ersterer wurde f├╝r die Vicentiner Akademie nach dem Vorbild eines antiken Theaters 1580 erbaut und in den Akademietheatern des 18. Jahrhunderts rezipiert. Zweiterer - ebenfalls teatro olimpico genannt -wird knapp 10 Jahre sp├Ąter mit ausformulierter Au├čenarchitektur er├Âffnet.
Schlie├člich wird ausf├╝hrlich die Entwicklung des B├╝hnenraumes von den Perspektivveduten ├╝ber die reliefierte Szenographie dargestellt, die in die in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts verbreitete Illusionsb├╝hne m├╝ndet und wie sie im teatro olipico von Vicenza noch zu sehen ist. In der zweiten H├Ąlfte des 16. Jahrhunderts hatte sich wegen der Zunahme an Einlagen w├Ąhrend der Auff├╝hrung, den sogenannten Intermedien, und der durch diese Ausstattungsspektakel entstandenen technischen Erfordernisse das B├╝hnenbild stark ver├Ąndert. Kulissenw├Ąnde auf geseiften F├╝hrungsschienen, Klapp├Âffnungen im Boden, Wolkenprospekte sowie Beleuchtungseffekte sind Teil einer gro├čen Maschinerie, die f├╝r Staunen und Verwunderung der Zuschauer sorgen. Erst im fr├╝hen 17. Jahrhundert systematisierte Giovanni Battista Aleotti die Verwandlungsmechanik der B├╝hnenmaschine in die Kulissenb├╝hne, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrer schneller Verwandlungsf├Ąhigkeit auf offener B├╝hne g├Ąngig blieb.
Zum Abschlu├č finden sich nebst einem Glossar Betrachtungen zur Modellsammlung des ├ľsterreichischen Theatermuseum in Wien, wo auch eine Sammlung von Modellen oberitalienischer Theater eingegangen ist.




Annegret Winter
Teatro. Eine Reise zu den oberitalienischen Theatern des 16.-19. Jahrhunderts. Hrsg.: ├ľsterreichisches Theatermuseum Wien. 2. erw. u. berarb. Aufl. 10/2001. 240 S., 330 Abb. - 24 x 20 cm. 'Jonas /PRO' Gb DM 49,- [1] /CHF 45,50 (ISBN 3-89445-288-9)
ISBN 3-89445-288-9
 
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