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Berlin der Kaiserzeit

Dieser Farbbildband wird im Gegensatz zu manchen Schwarz-Weiß-Bänden zur Architekturgeschichte oder zur Denkmaltopographie der hohen ästhetischen Qualität wilhelminischer Architekturzeugnisse Berlins gerecht. Trotz Kriegszerstörungen und Modernisierungsfuror der Nachkriegszeit ist der Fundus in Quantität und Qualität so groß, dass sich der Fotograf und Autor dieses einzigartigen Bandes auf eine repräsentative Auswahl beschränken musste. In profunden Einführungstexten, die ohne Beschreibungen im Kunsthistoriker-Jargon des im Bild weit besser zu Sehenden auskommen spart der Autor nicht an Kritik der lange vorherrschenden herablassenden Haltung gegenüber diesem wertvollen architektonischen Kulturerbe: „Mit dem heutigen Blick auf eine inzwischen angegraute Moderne bleibt zu fragen, welche Langzeitergebnisse die Abkehr von den überkommenen Bauformen gezeitigt hat? Während die Bauten der Belle Epoque auch nach Jahrzehnte währender Vernachlässigung frisch restauriert ihre Wirkung stets neu entfalten…, sind die Nachkriegsbauten...meist unansehnlich...“. Die Architekten jener Jahrzehnte haben bei aller Orientierung an historischen Stilen und dekorativen Fülle eigenständige und funktionale Lösungen gefunden. Technisch waren die Bauten auf der Höhe der Zeit, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass sie noch heute häufig im ursprünglichen Sinne genutzt werden.
Berlin erlebte als Reichshauptstadt seit 1871 in allen Bereichen einen großen Aufschwung und wurde zu einer europäischen Metropole. Bis zum Ende der Monarchie 1918 entstand eine Fülle an Gebäuden, bei denen Bedarf und Repräsentationsbedürfnis vielfach eine glückliche Verbindung eingingen. Von Villen und Mietshäusern über Theater und Schulen bis hin zu Kirchen und Rathäusern, Gerichtsgebäuden und Industriebauten sind alle Bauaufgaben vertreten.

Dieser Bildband versteht sich als breit angelegte und aktuelle Dokumentation der kaiserzeitlichen Architektur in Berlin (lediglich erhaltene Bauten werden in Wort und Bild vorgestellt) sowie als Anregung, sich den Leistungen dieser Epoche unvoreingenommen zu nähern. Knapp 400 eigens für diesen Band aufgenommene Farbbilder sind eine Augenweide und bieten bei aller Vertrautheit mit zahlreichen Bauten auch Entdeckungen. Lediglich die „Literaturauswahl“ ist für einen solches Standardwerk knapp geraten. Eine Nennung der in den letzten Jahren erschienene Monographien zu den Architekten dieser Zeit oder das Buch des Autors zu den Industriebauten Berlins („Kathedralen der Arbeit“) hätten genannt werden müssen.

08.08.2018
Jörg Raach
Berlin der Kaiserzeit. Architektur 1871 bis 1918. Barth, Matthias. 336 S. 395 fb. Abb. 28 x 24 cm. Imhof Verlag, Petersberg 2018. EUR 39,95. CHF 45,90
ISBN 978-3-7319-0719-0   [Imhof]
 
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