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Wilfried Stallknecht – Das industrielle Bauen in der DDR

Nur sehr wenige Architekten oder Planer aus der DDR sind mehr als einem engen Expertenkreis gelĂ€ufig. Dies liegt daran, dass sie ganz ĂŒberwiegend in Kollektiven arbeiteten und auch nach 1989 nur wenig ĂŒber sie geforscht und publiziert wurde. Mit diesem Band wird ein wichtiger Architekt aus der DDR portrĂ€tiert, der entscheidende BeitrĂ€ge zu den großen Weichenstellungen in Architektur und Bauwesen Ostdeutschlands lieferte und dennoch kaum bekannt ist.
Der Architekt, Innenarchitekt und Möbeldesigner Wilfried Stallknecht (*1928) konnte, obgleich bĂŒrgerlicher Herkunft und niemals Mitglied der SED, in der DDR eine steile Karriere machen. Er entwickelte als Kollektivleiter nicht nur die Grundkonzepte der beiden wichtigsten Plattenbauserien (P2 und WBS 70), sondern verband sie mit weitreichenden Konzepten des variablen Wohnens und des Designs von Möbelserien. Außerdem war er verantwortlich fĂŒr das umstrittene Modellprojekt des Umbaus der Innenstadt von Bernau mittels der Plattenbauweise, gewann wichtige stĂ€dtebauliche Wettbewerbe und meldete zahlreiche bautechnologische Verfahren zum Patent an.

Das Buch dokumentiert das Leben und Werk Wilfried Stallknechts und enthÀlt einen Essay zur Geschichte des industriellen Wohnungsbaus bzw. der Plattenbautechnologie in der DDR aus kulturgeschichtlicher Perspektive. Die auf einen breiten Leserkreis zielende wissenschaftliche Darstellung speist sich aus einem umfangreichen Bestand an PrimÀrquellen sowie aus zahlreichen Interviews mit dem Architekten. Sie weist viele bisher unveröffentlichte Abbildungen zur DDR-Baugeschichte auf.

Ebenso empfehlen wir den Titel: Hermann Henselmann und die Moderne: Eine Studie zur Modernerezeption in der Architektur der DDR.
Bevor Hermann Henselmann (1905-1995) nach 1945 zu einem der fĂŒhrenden Architekten der DDR avancierte, war er bereits in zwei weiteren politischen Systemen als Architekt tĂ€tig gewesen. Anhand seines Werkes lĂ€sst sich beispielhaft verfolgen, wie die Moderne in AbhĂ€ngigkeit zum politischen Kontext mit unterschiedlichen und zum Teil sich widersprechenden Inhalten belegt worden ist.
WĂ€hrend der Weimarer Republik favorisierte Henselmann klar das „Neue Bauen“. In der NS-Zeit erhielt er auf Grund seiner „rassischen Einordnung“ als „Halbjude“ Arbeitsverbot, dann jedoch eine Anstellung im Industriebau, in Polen baute er Mustergehöfte fĂŒr „Volksdeutsche“. In der SBZ gelang es ihm, Modellplanungen zu entwickeln, die nicht nur fĂŒr den Wiederaufbau MaßstĂ€be setzten, sondern auch spĂ€ter fĂŒr die DDR wegweisend wurden. Seine Bauten an der „Stalinallee“ in Ost-Berlin können sicherlich als die prĂ€gnantesten Beispiele des „stalinistischen ZuckerbĂ€ckerstils“ bezeichnet werden. WĂ€hrend der 1960er Jahre gelang es Henselmann schließlich, eine Moderne mit „sozialistischem Antlitz“ als Staatsarchitektur in der DDR durchzusetzen.
Elmar Kossel zeigt in der vorliegenden Publikation, dass das formale Instrumentarium der Moderne zu keinem Zeitpunkt an einen festen (politischen) Inhalt gebunden war.

Hermann Henselmann und die Moderne. Eine Studie zur Modernerezeption in der Architektur der DDR. Kossel, Elmar. Hrsg.: Buttlar, Adrian von; Wittman-Engleret, Kerstin. 198 S. 200 s/w- und 2 fb. Abb. 25 x 17 cm. Pappe. Langewiesche Königstein 2013. EUR 39,80. CHF 52,90 ISBN 978-3-7845-7405-9

13.05.2015
Gabriele Klempert
Wilfried Stallknecht und das industrielle Bauen. Ein Architektenleben in der DDR. Engler, Harald. 190 S. 120 sw. und 30 fb. Abb. 31 x 24 cm. Gb. Lukas Verlag, Berlin 2014. EUR 25,00. CHF 35,50
ISBN 978-3-86732-174-7   [Lukas]
 
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